KUH+DU

Verbraucher wollen spätere Trennung von Kuh und Kalb

Mutter-Kalb _mit copyright_komprimiertDamit Menschen Milch trinken können, müssen Kühe jährlich ein Kalb zur Welt bringen. Neun Monate lang trägt eine Kuh ihr Kalb aus, von dem sie in den meisten Fällen noch am Tag der Geburt getrennt wird. Die Universität Göttingen und die University of British Columbia in Kanada haben nun in einer aktuellen Studie zum Thema „Wann Kuh und Kalb trennen?“ herausgefunden, dass die Öffentlichkeit die frühe Trennung von Mutter und Kalb ablehnt. So sprechen sich 39 Prozent der Befragten für eine deutlich spätere und 44 Prozent für eine eher spätere Trennung aus. Lediglich nur knapp jeder Fünfte ist mit der heutigen Trennungspraxis am Tag der Geburt einverstanden. Die Forscher empfehlen, dass die Landwirtschaft sich nun Gedanken um neue Verfahren machen müsse, um eine nachhaltige und gesellschaftlich akzeptierte Milchkuhhaltung zu etablieren.

Die Welttierschutzgesellschaft hat bereits im Jahr 2014 eine bundesweite Hofliste zur mutter- und ammengebundenen Kälberaufzucht erstellt und aufgezeigt, dass Alternativen zur gängigen Mutter-Kalb-Trennung mit der sich anschließenden Einzelbox-Haltung schon existieren. Die Landwirte, die die Kälber in den ersten Wochen und Monaten bei den Müttern und/oder Ammenkühen lassen, sind in der unten dargestellten interaktiven Karte zu finden. Milch aus dieser Haltung ist bisher nur auf den Höfen direkt, in Hofläden oder auf regionalen Wochenmärkten erhältlich. In größeren Molkereien wird die Milch leider nicht separat erfasst und abgefüllt, sodass Kunden vor dem Supermarktregal nicht die Möglichkeit haben, sich für Milch aus alternativer Kälberaufzucht zu entscheiden.

Zudem handelt es sich hier bisher auch noch um eine Nische. Es fehlen Beratungs- und Verarbeitungsstrukturen, um diese Formen der Kälberaufzucht in die Fläche zu tragen. Interessierte Landwirte können sich jedoch untereinander vernetzen und von den Vorreitern lernen. Auch das Forschungsinstitut für biologischen Landbau hat dazu ein Merkblatt erarbeitet.

Wer mehr über die verschiedenen Aufzuchtalternativen aus erster Hand erfahren möchte, kann in unseren Interviews zur mutter- und ammengebundenen Kälberaufzucht nachlesen, wie das umgesetzt wird und warum sich die Landwirte für diesen Weg entschieden haben.

 

Die interaktive Karte basiert zum großen Teil auf eigener Internetrecherche und wird kontinuierlich ergänzt. Über Hinweise zu weiteren Höfen mit mutter- und/oder ammengebundener Kälberaufzucht freuen wir uns: Katharina Tölle, kt@welttierschutz.org