KUH+DU

Tag der Deutschen Einheit: Die Entwicklung in ostdeutschen Kuhställen

Anlässlich des Tags der Deutschen Einheit möchten wir auf die Entwicklung in ostdeutschen Milchviehbetrieben hinweisen. Demnach haben Großkonzerne die Wiedervereinigung genutzt, um das Leid in deutschen Kuhställen systematisch auszuweiten. Insbesondere auch die Bundesregierung unter Angela Merkel hat in den letzten acht Jahren nichts unternommen, um diesen Negativtrend zu stoppen, wie Zahlen des Statistischen Bundesamtes detailliert belegen.

Demnach gibt es mit 80.400 Milchviehbetrieben im Westen zwar deutlich mehr Haltungen als im Osten. Jedoch sind die 4.500 ostdeutschen Betriebe mit durchschnittlich 168 Rindern fast viermal so groß wie ein westdeutscher Hof, wo der Durchschnittswert bei gerade einmal 44 Milchkühen liegt. Auch die Milchleistung einer Kuh in den Neuen Bundesländern ist im Schnitt 23,9% höher.

Entwicklung in ostdeutschen Kuhställen

Entwicklung in ostdeutschen Kuhställen

Seit 1990 wurde die Leistung ostdeutscher Milchkühe mehr als verdoppelt. Das ist ein deutliches Zeichen dafür, dass hier Hochleistungszüchtungen, massenweise Kraftfutter und andere leistungsfördernde Mittel im Einsatz sein müssen. Das Wohl der Tiere bleibt dabei nachweislich auf der Strecke, denn in Massenhaltungen bekommen die Kühe keinen Auslauf und können auch nicht die sozialen Strukturen aufbauen, wie es in kleinen Herden normalerweise üblich ist.

Doch nicht nur die Milchkühe leiden unter dem stetig wachsenden Produktionsstress. Auch kleine Familienbetriebe mit nur wenigen Tieren können auf dem hart umkämpften Milchmarkt auf Dauer nicht überleben. Während es nach der Wende bundesweit noch rund 284.800 Milchviehbetriebe gab, ist diese Zahl bis 2012 dramatisch auf 84.900 eingebrochen. Schließen mussten vor allem die kleinen Betriebe.

Wir halten dies für einen besorgniserregenden Trend. Wenn sich diese Entwicklung in den nächsten 20 Jahren so fortsetzt, werden wir unsere Milch künftig nur noch aus Superfabriken beziehen können. Die auf den Milchpackungen vorgegaukelte Almidylle wird dann gänzlich der Vergangenheit angehören.

Deshalb fordern wir schon heute die neue Bundesregierung dazu auf, sich für bessere Haltungsbedingungen für Milchkühe einzusetzen und dabei auch auf eine faire und angemessene Bezahlung für kleine Milchbauern zu achten. Denn letztlich können die Bauern ihre Tiere nur dann artgemäß unterbringen und versorgen, wenn sie das erwirtschaftete Geld nicht für neue Hochleistungszüchtungen und Kraftfutter ausgeben müssen, sondern stattdessen in die Stallgröße und -beschaffenheit sowie in Weideflächen investieren können.

Alle Statistiken und Daten gibt es hier als Excel-Datei zum Herunterladen.