KUH+DU

Kuhpartner

Xenia Marita Riebe

Kühe sind Kunst!

Seien wir doch mal ehrlich: Bunte Kühe gibt es wie Löwenzahn auf der Wiese und auch so mancher Künstler hat sich schon daran versucht, das normale Milchvieh zum Kunstwerk zu erheben. Da gibt es Gemälde von Kühen, mit und ohne Blumenschmuck, Kuhcartoons und natürlich die beliebte Fiberglaskuh, in Lebensgröße und bunt bemalt.

1998 hob die City Vereinigung Zürich die Aktion „Land in Sicht – auf nach Zürich“ aus der Taufe und beauftragte den Künstler Walter Knapp, von einem naturgetreuen Modell Rohlinge aus Fiberglas gießen zu lassen. Diese wurden dann von Künstler und Schulklassen bemalt und in der City ausgestellt. So entstanden 815 bunte Kühe, die sehr pflegeleicht, sauber und völlig ungefährlich waren. Einziges Risiko für die Stadt waren Auffahrunfälle durch ent- oder begeisterte Autofahrer, die vor Staunen auf die Bremse traten und so ihrem Hintermann einen Kunstgenuss der besonderen Art verschafften.

Es verwundert natürlich nicht, dass die Idee der bemalten Fiberglaskuh aus der Schweiz kommt, haben sich Künstler dort schon immer mit dem Milchvieh befasst. Von Zürich trat die bunte Kuh dann ihren Siegeszug durch viele Metropolen der Welt an, um schließlich zum begehrten Objekt für Hobbykünstler zu werden. Die Zahl der „Kunstkühe“ in deutschen Gärten liegt sicher nicht weit unter der Zahl der Naturkühe auf deutschen Wiesen. Tja, die Kuh hat ja auch etwas Romantisches. Denken wir doch einmal an den Almabtrieb. Wie schön ist es, im Urlaub die blumengeschmückten bimmelnden Kühe in Reih und Glied ins Alpendorf einmarschieren zu sehen.

Es gibt aber auch Künstler, die sich ernsthaft mit dem Bild der Kuh beschäftigen. Der Künstler Franz Marc zum Beispiel malte 1911 das Gemälde „Gelbe Kuh“. Er zeigt uns eine sinnliche, gelbe, springlebendige Kuh in einer bunten Alpenlandschaft. Pablo Picasso beschäftigte sich auch mit dem gehörnten Tier, aber für ihn kam natürlich nur der edle Stier infrage. So schuf er eine Vielzahl von Gemälde und Plastiken von wilden Stieren und Minotauren. Wen wundert’s, hielt sich der Künstler doch selbst für ebenso potent wie die Stiere in seinen Werken.
Ein wunderbares Beispiel eines Kuh-Kunstwerkes ist die Illustration der Grafiker Achim Greser und Heribert Lenz zum Artikel „Kultur der Kumpanei“ der Frankfurter Allgemeine Zeitung, der über die Dissertationspraxis der juristischen Fakultäten berichtet. Vor einem grasgrünem Hintergrund zeigen uns die Künstler eine Kuh, die es offensichtlich eilig hat. Sie läuft so schnell, dass sie beide Vorder- und Hinterfüße auf dieselbe Stelle der Weide setzt und dabei ganz schön viel Schlamm aufwirbelt. Der Schwanz und das Euter des Tieres wehen im Laufwind. Soll das bedeuten: „Schnell weg hier aus dem Sumpf der Plagiatschmiede Juristische Fakultät“? Doch warum trägt die Kuh ein Leopardenfell? Ist sie eine Wildkatze im Kuhkörper, ähnlich einem „Wolf im Schafspelz“, oder doch eher so eine Art „Falscher Fuffziger“? Auf jeden Fall scheint sie auf der Flucht zu sein, aber wovor? Könnte es die Wahrheit über die üblen Praktiken der Professoren und Studenten sein, die sie so in Angst und Schrecken versetzt?

Auch der britische Street-Art Künstler Bansky benutzte Kühe für seine Botschaften und stellte sie in einer Show dem nicht immer begeisterten Publikum vor. Originell waren seine Ideen aber schon. So zeigte er, dessen wahre Identität noch immer nicht geklärt ist, eine rotgemalte Kuh, die er über und über mit dem Konterfei seines Kollegen Andy Warhol besprayt hatte. Andere Kühe hatte er weiß bemalt und mit schwarzen Pfeilen versehen oder mit dem Spruch „Wild Style“ bemalt. Am interessantesten war aber die Kuh, die er zur Werbefläche machte. Bansky, ein erklärter Konsumgegner, pinselte mithilfe einer Schablone die Worte „To advertise here call 0800 Bansky“ auf die Flanke einer braunen Kuh.
Ja, so ist das mit der Kunst. Dem einen Künstler soll sie Geld und Ruhm bescheren, dem anderen dient sie zur Umsetzung seiner politischen Überzeugungen. Aber wozu dient sie eigentlich der Kuh? Versteht sie, die doch immer wieder als die „Dumme Kuh“ bezeichnet wird, überhaupt etwas von dem Rummel um ihren Körper?

Da sind doch die Fiberglaskühe schon besser, verletzen sie nicht das Recht der Kuh auf ein einfaches, beschauliches Leben auf der Weide, auch wenn selbst dieses meist im Schlachthof endet. Künstler dieser Welt, fühlt euch aufgerufen, das liebenswerte Milchvieh zu ehren!

Ihre
Xenia Marita Riebe


Sabine Niels


Politik für Kühe

Kühe auf der Weide stellen für mich das Sinnbild einer artgerechten Milchkuhhaltung dar. Nicht nur den Tieren kommt die Weidehaltung zugute. Ihre Milch ist nachweislich auch gesünder. Und nebenbei kann man mit extensiver Beweidung auch noch viel für die Artenvielfalt tun. Voraussetzung für die Weidehaltung ist jedoch ein angemessener Preis für die Milch. Die glückliche Kuh auf der Weide soll nicht nur ein Werbeversprechen auf den Milchpackungen sein, sondern Wirklichkeit.