KUH+DU

Kampagne

Wo ist eigentlich das Problem?

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Mehr als die Hälfte der Milchkühe in Deutschland sieht nie eine Weide. 27% leben nach wie vor in Anbindehaltung. Aber auch die Beschaffenheit von Laufställen ist nicht immer auf die Bedürfnisse der Milchkühe ausgerichtet.

Das Resultat sind schmerzhafte Erkrankungen wie Zitzenverletzungen, Mastitiden (Entzündungen der Milchdrüsen), Klauenverletzungen, Azetonämie (Stoffwechselstörung) oder Schwanzräude.

Weitere Ursachen für viele Krankheiten und den schlechten Gesundheitszustand vieler Milchkühe sind die Fokussierung auf Hochleistungszucht und die nicht artgerechte Fütterung mit Hochleistungsfutter. Auch deshalb wird eine Milchkuh in Deutschland im Durchschnitt nur noch fünf Jahre alt. Zum Vergleich: Kühe können eigentlich ein Alter von 20 Jahren erreichen.

Weder in Deutschland noch auf EU-Ebene gibt es eine gesetzliche Regelung zur Haltung von ausgewachsenen Rindern. Wir wollen, dass verbindliche und ausreichende Rahmenbedingungen geschaffen werden, die dafür sorgen, dass Milchkühe ihre Bedürfnisse ausleben können.


Interviews und Hofbesuche

Gesundheit von Milchkühen

Brinkmann-Thnen MilchkheIm Gespräch mit dem Tiergesundheitsexperten Dr. Jan Brinkmann vom Thünen-Institut für Ökologischen Landbau in Trenthorst: Landwirte müssen konkrete Maßnahmen für mehr Gesundheit und Wohlbefinden der Tiere ergreifen. Innovative Konzepte dazu gibt es. Molkereien und Anbauverbände können dabei helfen.

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Alternative Kälberaufzuchtformen

Demeterhof Burgeff Milchkhe BeiratAuf Hof Mahlitzsch tragen alle Milchkühe stolz ihre Hörner und die Kälber werden von Ammenkühen aufgezogen und gesäugt. Während sie den Sommer auf der Weide verbringen, gibt es für den Winter einen Offenfrontstall, in dem sie sich frei bewegen können.

 

 

 

 

Zum Interview, 1. Teil: Über Hörner bei Milchkühen und Ammen für die Kälber
Zum Interview, 2. Teil: Über Weide, Futter und Gesundheit

 

 

Knösel_Rengo_Kuh_Muttergebundene_Aufzucht_WebsiteMechthild Knösel ist Landwirtin auf dem am Bodensee liegenden Hofgut Rengoldshausen. Sie ist dort verantwortlich für 50 Milchkühe plus Nachzucht. Seit neun Jahren wird dort mit Herz und Seele erfolgreich die muttergebundene Kälberaufzucht betrieben.

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Unsere Positionspapiere

Positionspapier zur Enthornung

Den meisten Kälbern werden innerhalb der ersten sechs Lebenswochen ihre Hornansätze ausgebrannt. Eine Betäubung ist gesetzlich nicht vorgeschrieben, obwohl der Eingriff sehr schmerzhaft für das Tier ist. Begründet wird die Entfernung der Hornansätze mit den möglichen Verletzungen bei Tier und Mensch. Hörner erfüllen jedoch wichtige Funktionen für Rinder und sind wichtig für eine stabile Rangordnung.

Lesen Sie hier unser ausführliches Positionspapier zur Enthornung.

Positionspapier zum Weidezugang und zur Stallgestaltung

Die zunehmende Umstellung von Anbinde- auf Laufstallhaltung darf nicht darüber hinwegtäuschen, dass Rinder ursprünglich Weidegänger sind. Weidegang befriedigt das Bedürfnis nach Bewegung, beugt Krankheiten vor und steigert das Wohlbefinden. Allerdings ist der Auslauf im Freien nicht gesetzlich vorgeschrieben, sodass auch Laufhöfe – am Stall befindliche Außenflächen – als Alternative zur Weide kein Muss sind. Der Trend geht zur ganzjährigen Haltung im Stall.

Lesen Sie hier unser ausführliches Positionspapier zum Weidezugang und zur Stallgestaltung.


Positionspapier zur Gesundheit von Hochleistungskühen

In den meisten deutschen Kuhställen steht heute die Deutsche Holstein. Diese Rasse wurde sehr stark auf hohe Milchleistung gezüchtet. Gekoppelt an den hohen Einsatz von Kraftfutter geben diese Kühe in Hochphasen mehr als 50 Liter Milch am Tag – fast doppelt so viel wie noch vor 40 Jahren. Milchhöchstleistungen belasten jedoch den Organismus, das Risiko für Erkrankungen steigt. Die Folgen sind Fruchtbarkeitsprobleme, Stoffwechselstörungen, Euter- und Klauenerkrankungen.

Lesen Sie hier unser ausführliches Positionspapier zu Hochleistungskühen und ihrer Gesundheit.


Aufgaben

 

Der Fachliche Beirat berät die Kampagne KUH+DU in allen Fragen rund um das Thema Milchkuhhaltung und Tiergesundheit bei der Milchkuh. Zu seinen Aufgaben gehört die Qualitätssicherung der Kampagne und der inhaltlichen Forderungen. Mit seiner umfassenden Expertise und interdisziplinären Zusammensetzung unterstützt der Beirat die Kampagne und bereichert sie als Kompetenzzentrum für eine tiergerechte Kuhhaltung um differenzierte wissenschaftliche und praktische Perspektiven. Der Fachliche Beirat versteht sich nicht als Teil der Kampagne oder der Welttierschutzgesellschaft, sondern als unabhängiges Gremium, das seine eigenen Einschätzungen vertritt. Er trägt keine Verantwortung für die Inhalte der Kampagnen-Homepage oder weiterer Kampagnen-Materialien.

Die Mitglieder des Fachlichen Beirats sind sich grundsätzlich einig über die Notwendigkeit einer nachhaltigen Verbesserung der derzeitigen Produktionsbedingungen in der Milchwirtschaft. Dies schließt Pluralismus in Methoden, Zielen und Ergebnissen sowie differierende Positionen nicht aus.


Unser Ziel – Erfolgreicher Tierschutz für Milchkühe

Das Ziel der Welttierschutzgesellschaft sind tiergerechte Haltungsbedingungen für die 4,3 Millionen Milchkühe in Deutschland. Kühe haben individuelle Charaktereigenschaften und können Gefühle wie Freude, Trauer oder Angst empfinden.

Ziel der Kampagne ist die Einführung einer Haltungsverordnung für Milchkühe sowie mehr Transparenz für den Verbraucher.

1. Eine Gesetzgebung zur Haltung von Milchkühen

Um bessere Haltungsbedingungen gewährleisten zu können, ist eine gesetzliche Regelung erforderlich. Mittels einer eigenen Nutztierhaltungsverordnung für Milchkühe kann ein hohes Schutzniveau garantiert werden.

2. Bessere Haltungsbedingungen, mehr Gesundheit und Wohlbefinden

Grundsätzlich gilt: Ein Stall muss sich an die Bedürfnisse einer Kuh richten – nicht umgekehrt. Kühe brauchen Bewegungsfreiheit, Frischluft, Licht und Zugang zu einer Weide oder alternativ zu einem Laufhof. Statt der hohen Milchleistung fordern wir mehr Robustheit, natürliches Futter und gesunde Kühe. Die betäubungslose Enthornung muss generell verboten werden.

3. Mehr Transparenz für Verbraucher

Irreführende Verpackungen und Begriffe wie „Heumilch“ oder „Alpenmilch“ lehnen wir ebenso ab wie Weide- und Naturbilder, die nicht der Lebensrealität der Milchkühe entsprechen. Milchverpackungen und Werbetexte müssen folglich so gewählt werden, dass der Verbraucher nicht den Eindruck von Haltungs- oder Produktionsbedingungen erhält, die nicht der Wahrheit entsprechen.

Unterstützen Sie uns bei unserer täglichen Arbeit – für ein besseres Leben für Milchkühe.

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Die Wahrheit hinter der Milchwerbung

Obwohl Milchkühe eine natürliche Lebenserwartung von 20 Jahren haben, werden sie in Deutschland im Durchschnitt nur noch fünf Jahre alt. Für die meisten Milchkühe gehören Krankheiten, Schmerzen, Stress und ein Leben im Stall zum Alltag. Statt tiergerechter Haltung hat die Kostenreduktion in der Milchwirtschaft Vorrang  zulasten der Tiere. 

Während das Produkt der Kuh, die Milch, unter strengen Vorgaben regelmäßig kontrolliert wird, spielt es eine untergeordnete Rolle, wie es den Milchkühen geht.

 

Züchtung auf Hochleistung

In den letzten 40 Jahren hat sich die Milchleistung pro Kuh fast verdoppelt: von 3.500 kg Milch pro Jahr im Jahr 1970 auf 7.000 kg in 2012. Dies wurde erst durch die einseitige Zucht auf Hochleistung und den erhöhten Einsatz von Kraftfutter möglich. Die Zucht auf Hochleistung steigert das Risiko für Erkrankungen.

 

Kraftfutter für Wiederkäuer

Damit eine Milchkuh möglichst viel Milch geben kann, braucht sie zusätzliche Energie durch Kraftfutter. Natürliches Futter – etwa von der Weide – reicht für einen ausgeglichenen Energiehaushalt bei hoher Milchleistung nicht aus. Der Magen der Kuh ist jedoch nicht auf die Verdauung des Kraftfutters ausgerichtet. Ist sein Anteil zu hoch, kann das gesundheitsschädigende Auswirkungen auf die Milchkühe haben.

 

Erkrankungen führen zur vorzeitigen Schlachtung

Rund 35% der gesamten Milchkühe scheiden jedes Jahr aus der Milchproduktion aus und werden geschlachtet. Das sind über 1,4 Millionen Kühe pro Jahr. Die häufigsten Ursachen dafür sind Unfruchtbarkeit und Ketose (eine Stoffwechselerkrankung). Ist eine Kuh erst einmal unfruchtbar oder gibt aufgrund anderer Krankheiten weniger Milch, ist sie für den Milchbetrieb nicht mehr rentabel und wird geschlachtet.

 

Zunehmende ganzjährige Stallhaltung

Rinder sind ursprünglich Weidegänger und besitzen ein starkes Bewegungsbedürfnis. Auf die Weide kommen Milchkühe aber immer seltener. Häufig sieht man dort nur noch Jungtiere oder trockenstehende Kühe.

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Betäubungslose Enthornung

Mittlerweile werden jungen Kälbern routinemäßig vor der sechsten Lebenswoche die Hörneransätze herausgebrannt, um spätere Verletzungen in engen Laufställen zu vermeiden. Eine Betäubung für die Enthornung ist nicht vorgeschrieben, obwohl der Eingriff für das Kalb äußerst schmerzhaft ist.

 

Anbindehaltung

Zwar haben die meisten Landwirte mittlerweile Laufställe. Aber mehr als eine Million Milchkühe werden teilweise oder das ganze Jahr noch immer im Stall angebunden. Ihrem natürlichen Bewegungsdrang und ihrem ausgeprägten Sozialverhalten können sie so nicht nachkommen.

 

Mutter-Kalb-Trennung

Milchkühe geben nicht einfach so Milch, sondern produzieren diese – wie  alle anderen Säugetiere auch – für ihren Nachwuchs. Ungefähr ab dem zweiten Lebensjahr werden Kühe einmal im Jahr – meistens künstlich – besamt und gebären nach neun Monaten ein Kalb; nur so lässt sich die hohe Milchmenge aufrechterhalten. Kurz nach der Geburt wird das Kalb von der Mutter getrennt und in den ersten Lebenswochen einzeln gehalten. Anschließend geht die Einzel- in eine Gruppenhaltung über – insofern es genügend gleichaltrige Kälber gibt. In der konventionellen Milchkuhhaltung werden die Kälber nach kürzester Zeit mit einem Milchersatz (mit Wasser vermischtes Magermilchpulver) ernährt. Es gibt nur wenige Landwirte, die es anders machen und auf eine muttergebundene oder ammengebundene Kälberaufzucht setzen.

 Kälber Iglus Ohrenmarken verpixelt Website komprimiert

 


Was können Politiker für Milchkühe tun?

Die Politik hat viele Möglichkeiten, auf die Haltung von Kühen Einfluss zu nehmen. An erster Stelle müssten entsprechende gesetzliche Rahmenbedingungen in Form einer Nutztierhaltungsverordnung für Milchkühe geschaffen werden: Deutschland und die EU brauchen verbindliche Mindeststandards für die Haltung von Milchkühen.

Aber nicht nur an gesetzlichen Regelungen fehlt es, sondern auch an Anreizsystemen für eine tiergerechte Haltung von Milchkühen. Besonders tierfreundliche Haltungssysteme sollten entsprechend unterstützt werden.


Welche Vision hat die Welttierschutzgesellschaft für die Milchkühe?

Die Vision der Welttierschutzgesellschaft ist eine Welt, in der wir Menschen die Tiere achten und ihnen kein Leid zufügen. Dazu gehören natürlich auch Milchkühe.

Kühe sind Herdentiere, die einen Bewegungsradius von zwei bis zwölf Kilometern haben. Laufen, rennen und springen, gegenseitige Fellpflege, intensives Sozialverhalten mit tiefen sozialen Bindungen sowie Rangkämpfe gehören zu ihrem natürlichen Verhalten.

Im Stall können sie diese Bedürfnisse aber kaum ausleben. Ebenso fehlen dort natürliche Reize wie Sonne, Wind und Regen, die ähnlich wie beim Menschen  wichtig für das Wohlbefinden sind. Deshalb fordern wir: Den Bedürfnissen der Kühe muss mehr Aufmerksamkeit geschenkt werden. Sie sollten so oft wie möglich Weidegang erhalten, zumindest aber Zugang zu einem großzügigen Laufhof.

Doch konkrete Vorgaben und Richtlinien können nur der Anfang sein. Noch viel wichtiger ist ein langfristiger Paradigmenwechsel in der Milchwirtschaft. Massenproduktion zu möglichst geringen Preisen schadet den Tieren ebenso wie den Milchbauern. Stattdessen muss Milch, ihre Produktion und die Haltung der Milchkühe wieder mehr Wertschätzung erlangen. Die langfristige Gesundheit und Lebensdauer der Kuh soll oberste Priorität bei der Züchtung haben.


 

 


Warum lasst ihr dann nicht alles den Markt regeln?

Wir greifen nicht in den Markt ein. Wir engagieren uns für das Wohl der Kühe, indem wir die Verbraucherinnen und Verbraucher informieren. Das Prinzip von Angebot und Nachfrage kann nur funktionieren, wenn den Konsumenten genügend Informationen zu den jeweiligen Produkten zur Verfügung gestellt werden und sie nicht durch widersprüchliche Abbildungen auf den Verpackungen oder irreführende Bezeichnungen wie „artgerecht“ und Weidemilch getäuscht werden.

Mit unserer Aufklärungsarbeit wollen wir dazu beitragen, dass auf dem Milchmarkt faire Bedingungen herrschen und die Verbraucher die Chance erhalten, sich bewusst gegen Milch aus nicht tiergerechter Haltung entscheiden zu können. Einen ersten Überblick bietet der Milchratgeber.

 

 

 


Wie sollen wir so wettbewerbsfähig bleiben?

Lebensmittel verkaufen sich nicht ausschließlich über den Preis. Qualität und Tierschutz sind ebenfalls wichtige Kriterien für den Verbraucher. Dem Verbraucher muss natürlich bewusst gemacht werden, dass ein tierfreundliches Produkt auch seinen Preis hat. Aus diesem Grund hat sich die Kampagne auch zum Ziel gesetzt, das Bewusstsein für den Zusammenhang zwischen Preis, Qualität und Tierschutz zu erhöhen.

Wir wollen erreichen, dass Milchproduzenten nicht über den Preis, sondern über kuhfreundliche Produktionsbedingungen und die Qualität der Milch wettbewerbsfähig bleiben.